Interdisziplinäre Wissenschaft?

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Je nach Fragestellung bei der Bauforschung werden Farbschichten, Putzlagen oder das Gefüge eines Gebäudes genauer betrachtet. Manchmal reicht die Information über den Wandanschluss aus, manchmal bedarf es einer zusätzlichen restauratorischen oder dendrochronologischen Untersuchung. Manchmal sind alle Disziplinen gefordert und trotzdem gibt das zu untersuchende Objekt nicht alle seiner Geheimnisse preis. Die Bauphasen können Aufschluss über die jeweiligen Nutzungen und die damit verbundenen Umbauten geben, wenn z.B. Räume vergrößert oder geteilt worden sind. Damit verbunden sind Fragen der Erschließung; häufig wurden die Treppen mit wechselnden Nutzungen verlegt. An der gleichen Stelle bleiben dagegen meistens die Feuerstellen, bzw. heutigen Schornsteine. Häuser wachsen zusammen oder wurden geteilt, je nach den Anforderungen der Nutzer.

Auch bei Steinfassaden können Bauphasenpläne erstellt werden. Zusammen mit den geschichtlichen Hintergründen (Kriege, Erweiterungen, Baustopp, Planänderungen etc.) können die Bauphasen anhand des Steinmaterials, Mörtels und der Oberflächenbearbeitung, bzw. Gestaltung bestimmt werden. Mit dem Wissen über die Bauphasen geht auch ein Wissen über die Konstruktionen einher. Wer die historischen Konstruktionen einschätzen kann, kann auch gezielt nach Schwachpunkten und Schadenspotentialen suchen. So wurden beispielsweise Eisendübel als Verbindung zwischen zwei Steinen im Mittelalter häufig eingebleit, wodurch das Eisen vor Korrosion geschützt war. Mit dem Aufkommen des neuen Baustoffs Zement ging das Wissen um das Blei zurück. Heute sanieren wir dann die Steinschäden, die durch Rostsprengung entstanden sind, weil der Zement vergangener Tage keinen ausreichenden Korrosionsschutz geboten hat.