Johanniskirche in Mannheim-Lindenhof:
Außeninstandsetzung

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Nach der Voruntersuchung 2005 folgte 2006 die Außeninstandsetzung des Turms und des Vordaches. Die Johanniskirche wurde 1904 nach den Plänen der Architekten Curjel & Moser gebaut. Die kompakte Bauform mit den Rundbogenöffnungen erinnert an die romanischen Kirchenbauten. Die zurückhaltende Bauzier greift allerdings auf den damals modernen Jugendstil zurück. Leider ist das Kirchenschiff, welches ursprünglich in jede Himmerlsrichtung einen Giebel besaß, im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört worden. Beim Wiederaufbau verzichtete man leider auf den südlichen und nördlichen Giebel.

Der Turm mit seinem steinernen Helm blieb wie durch ein Wunder ohne größere Schäden bestehen. Der Zustand war dennoch bedenklich: die starke Schwarzfärbung war weithin sichtbar, das Relief bei der Glockenstube hingegen nicht mehr. Die Fugen bestanden mehr aus Sand als aus Mörtel und waren teilweise ein handbreit zurück gewittert. Das feine florale Relief rund um die Schallöffnungen lagerte auf und drohe verloren zu gehen. Die Dachentwässerung am Vordach funktionierte nicht und führte zur Durchfeuchtung des Mauerwerks; die Glockenstube war von Tauben bewohnt.

Es galt also das Relief zu sichern, die Fugen wieder zu schließen und die schwarzen Krusten auszudünnen. Nachdem erste Reinigungsproben im wahrsten Sinne des Wortes von der schwarzen Kruste abprallten und beim Relief sonst zu viel Oberflächenverlust befürchtet wurde, wurde in Abstimmung mit dem Denkmalamt mit einer Reinigungspaste gearbeitet. Auch diese Methode führte nicht sofort zum gewünschten Ergebnis. Mit einigen Tricks wurde jedoch ein zufriedenstellendes Bild erreicht. Durch regelmäßige Messungen des PH-Wertes wurde sichergestellt, dass keine schädlichen Rückstände im Stein verbleiben.

Es war ein Wunsch der Gemeinde, die graue Nachkriegsuhr durch ein Zifferblatt zu ersetzen, das dem bauzeitlichen entsprach. Fotos gab es davon ja glücklicherweise genug, allerdings war nicht davon auszugehen, dass das ehemalige Zifferblatt schwarz-weiß war. Die Firma, die die Uhr 1904 gebaut hatte, hatte leider keine Unterlagen mehr darüber. Schon bei der Voruntersuchung stießen wir auf rötliche und goldene Fassungen am Schachbrettfries rund um die Zifferblätter. Die Restauratorin bestätigte eine abwechselnde tomatenrote und goldene Fassung auf dem Stein. Schließlich fand das Denkmalamt im Stadtarchiv eine kolorierte Postkarte, auf der unser rot-goldener Befund sich wiederfand. Da es sich hierbei offensichtlich um eine realistische Farbdarstellung handelte, haben wir auch die restlichen Farben für das Zifferblatt zugrunde gelegt. So entstand eine recht bunte Uhr mit hellblauen Ecken und roten Ziffern auf goldenen Kreisen. Zunächst war dieser Anblick für die Anwohner, die 50 Jahre lang ein unauffälliges graues Zifferblatt gewohnt waren, sehr ungewohnt. Es ist ja auch verständlich, wer kennt schon die Farbenpracht des Jugendstils? Mittlerweile hat die neue Uhr sogar Freunde gefunden. Passend zur neuen Farbigkeit der Uhr haben wir auch das Vorach wieder mit roten Biberschwanzziegeln gedeckt (war ebenfalls auf der Postkarte zu erkennen). Die braunen Falzziegel waren zu groß und mit Sicherheit nicht bauzeitlich. Weil der Dachanschluss undicht war, die Rinne zu klein, die Gratsteine zu groß und die undichte Stelle nicht gefunden werden konnte, wurde das kleine Dach vollständig neu gedeckt. Dabei wurden auch kleinere Mängel am Dachstuhl behoben. Schließlich haben wir auch zum Naturschutz beitragen können. Da an der Kirche Turmfalken beobachtet wurden, haben wir hinter eine Gaube einen Falkenkasten bebaut, in den bereits 2007 eine Turmfalkenfamilie eingezogen ist. Des weiteren haben wir leider nach einem Sturm drei tote Mauersegler auf dem Gerüst gefunden. Da wir einige Nester im Mauerwerk fanden, haben wir auch nach der Sanierung und Neuverfugung einige Einfluglöcher und Nistmöglichkeiten gelassen.