Merkurtempel im Schlosspark Schwetzingen

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Nach einigen Vorarbeiten kam das Projekt Merkurtempel 2003 zum erliegen, bis Ende 2006 das Bauamt mit der Frage, ob ich das Projekt weiter bearbeiten möchte, an mich herantrat. Der Merkurtempel ist ein 1788 als Ruine gebauter Aussichtsturm in Anlehnung an italienische Grabtempel. Er war das letzte Gebäude, dass der Baumeister Pigage im Schwetzinger Schlosspark vervollständigte. Die Ruine im Landschaftsbild, bzw. im englischen Garten war zu dieser Zeit in Mode und so schuf Pigage einen Tempel mit Rissen im Mauerwerk und einer teilweise eingestürzten Kuppel. Die eigentliche Bedeutung des Gebäudes ist nicht bekannt. Heute weiß man, dass der Schlosspark und seine Gebäude unter freimaurerischen Aspekten angelegt wurde. Auch der Merkurtempel hätte dort eine Bedeutung.
Das Gebäude steht auf einem künstlichen Hügel, in dem sich ein Untergeschoss mit separatem Eingang verbirgt. Das Erdgeschoss ist von einer Kuppel überspannt und von drei Kabinetten seitlich eingefasst. Über die Treppe in einem der Kabinette gelangt man in ein unscheinbares Zwischengeschoss, um schließlich über eine Spindeltreppe in das oberste Geschoss zu gelangen. Das zylinderförmige Geschoss ist von 6 Pfeilern umgeben, auf denen die Kuppel ruht. Ca. ¼ der Kuppel fehlt, es gibt also keine geschlossene Halbkugel auf einem geschlossenen Ringanker. Zwar sind die großen Risse im Mauerwerk nur angedeutet, also stabil, aber die nicht perfekte Kuppel gibt statische Rätsel auf.
Während der Tragwerksplaner sagt, die Kuppel ist leicht verschoben und kann eigentlich gar nicht halten, sagt der Denkmalpfleger, aber sie hält seit 220 Jahren bestens. Nun geht es also u.a. darum, die Kuppel statisch so zu rechnen, dass sie auch rechnerisch funktionieren würde, bzw. mit kleineren unauffälligen Maßnahmen dem etwas nachzuhelfen.
Als weitere Hauptaufgabe ist die Erforschung des ursprünglichen Zustands zu begreifen, weil erst auf dieser Grundlage über das neue Erscheinungsbild diskutiert werden kann. Der Ruinencharakter ist so perfekt umgesetzt worden, dass es heute schwer fällt zu sagen, welche heraus gebrochenen Steine bauzeitlich gewollt sind und welche sich in den letzten Jahren alleine heraus gelöst haben. Des weiteren ist der ursprüngliche Ausstattungsgrad zu ergründen. Die Böden besitzen ein feines Kieselmosaik, das heute Lücken aufweist. Waren diese Lücken schon beim Bau als Teil der Ruine geplant? Nachdem die obere Kuppel mit einem Gerüst erkundet werden kann, sind uns dicke Putzreste aufgefallen, die mit zahlreichen großen geschmiedeten Nägeln armiert gewesen sind. Nur auf einer einzigen Darstellung ist eine Kassettendecke zu erkennen.
Zur eigentlichen Sanierung bedarf es noch einiger Voruntersuchung, auch im restauratorischen Bereich. Es gibt einige stark verwitterte Steine, die erneuert werden müssen, es gibt ältere Restaurierungsmaßnahmen mit Zementmörtel und die dicken schwarzen Krusten müssen vom Tuffstein entfernt, bzw. ausgedünnt werden.
Am Ende steht die Frage nach der zukünftigen Nutzung: soll die oberste Aussichtsebene für die Öffentlichkeit zugänglich sein oder zum Schutz der Bausubstanz nicht. Wie lassen sich aktuelle Sicherheitsanforderungen mit dem Baudenkmal vereinbaren?